Neckarschwäbischer Bildschnitzer: KÖNIG BALTHASAR

 

 

Um 1480

Aus Gruol, Zollernalb-Kreis von einer Gruppe der ANBETUNG DER KÖNIGE. Zugehörig die Könige KASPAR und MELCHIOR. Lindenholz. Rund bearbeitet. Rückseite wenig ausgehöhlt. Auf dem Kopf ein verdübeltes, im Bodenstück ein offenes Spannloch. Alte Fassung. Inkarnat lebhaft getönt, braune Lasuren auf rotorangem Grund. Haare blauschwarz. Turban mit Karminlasuren auf Silber im Wechsel mit Grün. Krone vergoldet, hintere Zacke beschädigt. Hose karminrot lasiert. Gewand schwärzlich, Kragen lindgrün. Mantel außen Gold, innen weißes Hermelinmuster, Schließe mit Kugeln vergoldet. Kelch mit Deckel vergoldet. Schuhe schwarz mit grünlichem Aufschlag. Bodenstück lindgrün mit grauen Lasuren.

H 67 cm, B 21,5 cm, T 18 cm.

 

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Auch der Mohrenkönig BALTHASAR hält in seiner nach rechts gerichteten Bewegung inne. Unter dem Saum des kurzen Gewandes wird das Knie des vorgesetzten Spielbeines spürbar. Das Gesicht wendet sich zum Betrachter, während die rechte Hand zum Geleitstern hinaufzeigt. Die linke Hand hält den bedeckten Goldkelch. Die Figurengruppe der Anbetung der Könige war ehemals wohl vor einer Schauwand aufgestellt, denn die beiden stehenden Königsfiguren sind hinten ein wenig ausgehöhlt. Die realistische Formgebung des Bildschnitzers wird von einer reichen Fassung überdeckt. Die Werkstatt lag wohl am oberen Neckar zwischen Westalb und Schwarzwald.

Lit.: Dursch,1851, S.28, Nr.141.
Baum,1929, S. 49, Nr. 163-165 mit Abb. S. 109-112.
Weise, 1955, S.10 mit Abb.17 (Balthasar).