Werkstatt Michel Erhart: GOTTVATER,

gekrönte Halbfigur über einer Wolkenbank, mit Pfeil und Bogen.

 

Um 1490-95

Aus Schelklingen-Urspring, Alb-Donau-Kreis.
Relief vom "PESTBILD" eines Kapitelaltars des ehemaligen Klosters Urspring.

Lindenholz Flachrelief. Rückseite glatt. Beide Enden des Bogens angesetzt. Pfeilspitze neu angeschäftet. Am Pfeilende eine Hälfte des rotweißen Gefieders alt aus starkem Papier, die andere ergänzt. Alte Fassung mit geringen Ausbesserungen. Inkarnat kräftig getönt. Krone vergoldet. Gewand und Mantel vergoldet. Wolken graublau.
H 42 cm, B 30 cm, T 11 cm.

 

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Das Flachrelief mit dem gekrönten GOTTVATER ist im Umriß der Halbfigur und der Wolkenformen ausgeschnitten. Der allmächtige Gott erscheint in königlichem Ornat. Er hat Pfeil und Bogen erfaßt und verharrt in drohender Gebärde. Dem greisen Antlitz ist kein Zorn anzumerken, eher nachdenkliche Ruhe und Gelassenheit. Die Gesichtsformen sind kräftig geschnitten. Um die Stirn, die Augenbrauen und Jochbeine zeichnet sich der Schädel markant ab. Die Augen blicken aus kräftig geformten Lidern nach unten zur Schutzmantelmaria mit den flehenden Flüchtlingen. Die wulstigen Lippen sind zum Sprechen geöffnet, ganz in der Erwartung des Richterspruchs über die sündige Menschheit. Unter der mit schnittigen Zacken geformten Krone hängt eine Haarlocke bedrohlich auf die Denkerstirn. Haare und Bart fallen in dicken Strähnen auf Schultern und Brust. Von ihren spannungsgeladenen Schwüngen strahlen Kraft und Macht aus. Der Glanz des Goldes auf Krone und Mantel läßt den König des Himmels und der Erde in mildem Licht erscheinen. Die Waffe mit dem bedrohlich langen Pfeil liegt in festen Händen. Der Bogen ist noch nicht überspannt. Die vor dem "Pestbild" verharrenden Beter dürfen durch die Fürbitte der Gottesmutter und ihres Sohnes auf Gnade hoffen.