Neckarschwäbischer Bildschnitzer: KÖNIG KASPAR, kniend

 

 

Um 1480
Aus Gruol, Zollernalb-Kreis. Von einer Gruppe der ANBETUNG DER KÖNIGE. Zugehörig die Könige MELCHIOR und BALTHASAR.

Lindenholz. Rund bearbeitet. Auf dem Kopf ein verdübeltes, in der Standfläche ein offenes Spannloch. Alte Fassung. Inkarnat lebhhaft getönt. Haare dunkelbraun. Haupt ohne Krone. Hose dunkelgrün. Untergewand karminrot auf Silber lasiert. Übergewand gelblich, Ärmelauf schläge gelbweiß. Mantel außen Gold, innen dunkelgrau. Schrein vergoldet. Schuhe schwarz.
H44 cm, B29 cm,T18 cm.

 

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Die Figuren der HEILIGEN DREI KÖNIGE stammen von einer Gruppe der ANBETUNG DER KÖNIGE. Die in königlichen Gewändern erscheinenden Herrscher fremder Völker sind einem Leitstern bis nach Bethlehem gefolgt, um dem neugeborenen König der Juden zu huldigen und kostbare Geschenke zu überreichen. Aus der Haltung des barhäuptig niedergeknieten Königs Kaspar und der hinter ihm in gleicher Richtung stehenden Könige ist zu erkennen, daß die ursprünglich zur Figurengruppe gehörende sitzende Maria mit dem göttlichen Kind ihnen entgegengerichtet war. Die Figurengruppe wurde irgendwann geteilt, die Madonna vermutlich als eigenständiges Andachtsbild verwendet, aber nicht wiedergefunden. König KASPAR ist als ältester der Könige in die Knie gesunken, um dem Kind aus dem Geschlecht Davids zu huldigen und ein in Gold glänzendes Kästchen zu überreichen. Sein greises Haupt ist samt den Schultern nach links gewendet. Dem Betrachter ist Gelegenheit geboten, den ehrerbietigen Ausdruck des Gesichts und der Gebärde zu würdigen. Der Griff der Hände um das eckige Kästchen ist naturnah dargestellt. Der Mantel ist über die linke Schulter zurückgeschlagen und staut sich über den beim Knien hinten herausstehenden Füßen. Die Figur ist ringsum bearbeitet und kann so aufgestellt werden, daß der Rücken sichtbar wird.