Fränkischer Bildschnitzer: BARTHOLOMÄUS

 

 

1520

Vom Heerberg bei Laufen am Kocher, Landkreis Schwäbisch Hall. Schreinfigur. Zugehörig die Figur des PETRUS.

Lindenholz. Am Holzblock links ein Stück angefugt. Rückseite flach und ausgehöhlt. Im Hinterkopf und Nacken keilförmig bis zum Holzkern eingeschnitten. Im Kopf oben ein Spannloch. Auf der Standfläche ein Brettstück aufgenagelt. Linke Hand ergänzt, Attribut fehlt. Risse teilweise ausgespänt. Fassung abgenommen.
H 102,5 cm, B 32,5 cm, T 16,5 cm.

 

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Der Apostel BARTHOLOMÄUS ist den Wallfahrern zum Heerberg als Märtyrer seines Glaubens vorgestellt worden. Von der linken Schulter hängt seine geschundene Haut mit den Kopfhaaren und Armen nach unten. Die linke Hand hielt ursprünglich wohl ein hochgestelltes Messer, das Werkzeug der barbarischen Schindung. Das Gewand des Wanderpredigers ist gegürtet. Die Röhrenfalten reichen bis zu den groben Schuhen. Ein Ende des umgehängten Manteltuches wird von der rechten Hand um die Seite nach vorn gerafft. Im Faltengefüge hängen knittrige Faltengebilde in hartem Kontrast mit öden Flächen und ausschwingenden Säumen. Die Bewegungen erscheinen müde und spannungslos. Um so ausdrucksvoller wirkt das sinnend vorgeneigte Haupt des Glaubensboten mit der sorgfältig bearbeiteten Haar- und Barttracht. Der Bildschnitzer hat die Erinnerung an das Martyrium des Bartholomäus mit krassem Realismus und nüchterner Formensprache wachgerufen. Der standfeste Figurentypus folgt der Tradition.

Lit.: Dursch, 1851, S. 22, Nr. 95. - Baum, 1929, S. 52, Nr.183 mit Abb. S.126.