Oberschwäbsicher Bildschnitzer: BISCHOF mit Buch

 

 

Um 1500
Aus Dürnau, Landkreis Göppingen. Schreinfigur.

Lindenholz. Rückseite flach und ausgehöhlt. Die rechte Hand hielt den verlorengegangenen Bischofsstab, der durch eine Bohrung im Velum gesteckt war. Die linke Hand trägt das Buch als Attribut des nicht näher gekennzeichneten Heiligen. Alte Fassung mit leichten Schäden. Inkarnat des Greisengesichts mit sehr ausdrucksvollen Zügen. Reiche Pontifikalkleidung. Mitra mit damasziertem schwarzblauem Grund und Goldborten; Fransen der Bänder rot. Schultertuch gelblich. Alba gelbweiß. Dalmatika rot mit hellen Fransen. Pluviale außen mit Resten einer Vergoldung, innen graublau. Manipel am linken Unterarm rot mit hellen Fransen. Handschuhe gelbweiß. Velum des Stabes gelblich. Einband des Buches rot, Schnitt goldgelb.
H 103,5 cm, B 31,5 cm, T 20 cm.

 

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Die Figur des unbekannten Bischofs mit dem vergrämten Greisenantlitz und dem farbenprächtigen Ornat gehört zum Besten, was die Sammlung Dursch bewahrt hat. Die alte Fassung vermittelt einen starken farbigen Eindruck des Bildwerks. Nur der Krummstab fehlt zur Vollständigkeit. Die große Mitra erhöht die Würde ihres Trägers. Die mit harmonischen Farbklängen zum Leuchten gebrachten Gewänder stehen im Gegensatz zum blassen Gesicht des Heiligen. Die Kunstfertigkeit des Faßmalers trägt wesentlich zur Wirkung des Bildwerks bei, ohne die feinfühlige Leistung des Bildschnitzers zu beeinträchtigen. Vielleicht war hier ein Künstler am Werk, der seine Vorstellungen von Form und Farbe ohne fremde Mitwirkung zur Vollendung brachte.