Schwäbischer Bildschnitzer: MOSES

 

 

Um 1600

Aus Deggingen, Landkreis Göppingen. Von der alten Ausstattung der barock veränderten Pfarrkirche. Relief von einem Gestühl oder Altarwerk. Gegenstück zum Relief des MELCHISEDECH.

Lindenholz. Hochrelief im Umriß der Gestalt. Rückseite flach. Die rechte Hand trägt die Gesetzestafeln. Die linke Hand ist angestückt und hielt den Stab. Fassung abgenommen.
H 62 cm, B 23,5 cm, T 9,5 cm.

 

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MOSES ist als Führer und Befreier des Volkes Israel aus der ägyptischen Gefangenschaft dargestellt. In der rechten Hand trägt er die Gesetzestafeln mit den zehn Geboten Gottes im Alten Bund vom Berg Sinai. In die linke Hand war ein Stab gegeben als Zeichen, daß Moses auf der langen Wüstenwanderung seines Volkes damit Wasser unter dem Felsgestein hervorquellen ließ. Ein wallender Bart bedeckt die Brust des kühn blickenden Mannes. Unter dem Saum des Gewandes treten die Zehen des rechten Fußes hervor. Der Saum des gerafften Mantels schwingt diagonal zum Fuß des Spielbeins, dessen Knie sich im hängenden Manteltuch abhebt. Die aus einem architektonischen und ikonographischen Zusammenhang gerissenen Degginger Hochreliefs sind nach der Beurteilung von Julius Baum (1929) in der Zeit um 1600, vielleicht auch einige Jahrzehnte früher, entstanden. Ihr künstlerischer Stil steht im Wandel der nachreformatorischen Zeit als ein starker Nachklang der barock erregten Stilphase der Spätgotik.

Lit.: Dursch, 1851, S. 11, Nr. 24. - Baum, 1929, S. 53, Nr.190 mit Abb. S.128.